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P wie Prinzip

Ein guter Freund von mir restauriert alte Motorräder. Oft sitzt er mehrere Stunden in seiner großen, ja gemütlich eingerichteten Garage, montiert, poliert oder sinniert einfach nur bei einer Flasche Bier über die nächste Verbesserung an seinem Bike. Hierbei kommt es vor, dass er Motorradteile in einem bekannten Internet-Auktionshaus kauft oder auch verkauft.

 

Neulich erzählte er mir folgendes: „Kannst Du Dir das vorstellen? Da habe ich doch dieses eine Motorradteil verkauft und der Käufer zahlte einfach nicht! Das ist das erste Mal, dass mir so etwas passiert. Ich habe mehrmals per e-mail Kontakt aufgenommen und er hat mich dreimal vertröstet, dass das Geld bald kommt. Nichts passierte. Dann habe ich das Teil wieder zum Kauf angeboten und kaum war es online, kam das Geld von ihm. Also konnte ich alles wieder rückgängig machen. Als ob ich nichts andere zu tun hätte!“ Er war wirklich aufgebracht und wütend!

 

Sein erster Impuls war, diesen Typ jetzt auch genauso „zappeln zu lassen“. Da ging`s ums Prinzip. Der sollte nun auch mal spüren, wie das ist, wenn man lange auf seine Sachen warten muss und auf jemanden angewiesen ist. Das wäre doch nur gerecht!

 

Glücklicherweise konnte ich ihn davon überzeugen, dass der Einzige, dem er damit letztendlich schadete, er selbst war. Denn so würde er den Zeitraum, über den er an den Vorgang denken müsste nur weiter verlängern und sich noch länger als nötig darüber ärgern. Er überlegte kurz und meinte: „Du hast Recht. Ich schicke das Ersatzteil noch HEUTE raus. Ich will es aus dem Kopf haben und mich nicht noch länger darüber ärgern. Es ist doch bescheuert, mich nur aus Prinzip von so einem Typ dazu bringen zu lassen, mich auch so zu verhalten“.

 

Auch in Beziehungen tappen viele Paare immer mal wieder in diese „Prinzip-Falle“. Da geht es dann nicht mehr darum zu entscheiden, was für mich, meine Beziehung und auch meine/n Partner/in jetzt am Besten ist, sondern ums Prinzip. Was sind diese Prinzipien und woher kommen sie? Diese Prinzipien kommen aus alten „Zeiten“; Glaubenssätze und Überzeugungen über richtig und falsch und wie ich Andere von meiner Wahrheit überzeugen und erziehen muss. Diese Prinzipien werden, aus unserer Sicht viel zu wenig hinterfragt und meist ist es für ALLE Beteiligten das Beste, einige davon über Bord zu werfen.

 

Statt an den Prinzipien über „richtiges“ Verhalten anderer festzuhalten, dürfen wir lernen, zu fühlen, was dieser Situation wirklich angemessen ist, damit es mir damit gut geht und Wahlmöglichkeiten zu entwickeln. Scheinbar paradoxerweise erreichen wir mit dieser souveränen und bewussten Haltung viel eher eine Veränderung des Verhaltens anderer. Probieren Sie es aus und spüren Sie mal, wieviel l(i)ebenswerter und vor allem freier und unabhängiger Sie das vom Verhalten anderer macht.

 

Viel Freude dabei und beim Mitdiskutieren in unserem Forum!